Drei Fragen an Constanze Krehl, SPD-Europaabgeordnete aus Sachsen – Leipziger Volkszeitung

Fühlt sich das Europaparlament ausgegrenzt bei den Entscheidungen zur Euro-Rettung? Ja, deshalb fordern wir auch mehr Mitsprache. Und ich bin sicher, dass wir schon weiter wären mit dem Krisenmanagement, wenn das Europaparlament mehr zu sagen hätte zum Euro-Rettungsschirm. Denn das Europäische Parlament hat gezeigt, dass es trotz schwieriger Mehrheitsfindung Kompromisse vorgelegen kann, um den Finanzmarkt zu regeln und um die Maastricht-Kriterien zu verschärfen. Viele Bürger sorgen sich um ihr Geld. Lässt die EU die Menschen mit ihren Sorgen allein? Nein, das darf nicht passieren. Deshalb ist es wichtig, dass der EU-Gipfel endlich Nägel mit Köpfen macht und die Finanzmärkte beruhigt. Es ist tragisch, dass sich die europäischen Regierungschefs, und auch Deutschland und Frankreich, noch nicht einigen konnten. Ich halte die Hebel-Lösung für sehr sinnvoll. Die Märkte sind verunsichert, weil die Euro-Länder keine klare Position haben. Die wäre schon früher nötig gewesen, indem den Spekulationen ein Riegel vorgeschoben worden wäre. Sollten die Griechen zur Drachme zurückkehren, wie jetzt viele fordern?  Nein, das wäre Unsinn. Wir können weder Griechenland aus der Eurozone werfen noch den Euro abschaffen. Die Folgen wären für alle Beteiligten fatal, auch für Deutschland als Exportnation. Die globale Welt existiert, ob wir das wollen oder nicht. Die Griechen haben viele Fehler gemacht, die Italiener aber auch. Auch Deutschland war inkonsequent. Jetzt müssen wir die Probleme gemeinsam lösen, und das geht nur im europäischen Verbund. Für Europa steht in dieser Krise viel auf dem Spiel. Der deutsche Steuerzahler hat übrigens bisher noch keinen Cent zahlen müssen für die Griechen, da es sich nur um Bürgschaften handelt für Kredite, die, wenn wir es vernünftig organisieren, zurückgezahlt werden können. Interview: Anita Kecke

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